Vom Machen zum Führen

Was sich ändert, wenn du nicht mehr alles selbst erledigst

4 Min. Lesezeit Einstieg FührungKulturRollen

Als Gründer:in bist du es gewohnt, Dinge selbst anzupacken. Mit den ersten Mitarbeitenden verschiebt sich deine Rolle. Dieser Artikel hilft dir, Erwartungen zu klären, Verantwortung abzugeben und früh eine Kultur zu prägen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit der ersten Einstellung wird Führung zu einer eigenen Aufgabe, für die du Zeit einplanen musst.
  • Klare Rollen und ausgesprochene Erwartungen verhindern die meisten Missverständnisse.
  • Dein eigenes Verhalten prägt die Kultur stärker als jede Wertetafel.
  • Kultur entsteht in den ersten Monaten, also lohnt es sich, sie bewusst zu gestalten.

In der Anfangszeit ist deine Stärke oft, dass du schnell bist und vieles selbst kannst. Mit einem Team wächst eine neue Aufgabe dazu. Du sorgst dafür, dass andere gut arbeiten können, und das kostet Zeit, die dir im eigenen Projektgeschäft fehlt.

Viele Gründer:innen unterschätzen diesen Übergang. Sie stellen jemanden ein und arbeiten weiter wie vorher, nur mit einer zusätzlichen Person, die auf Rückmeldung wartet. Rechne für die ersten Monate mit mehreren Stunden pro Woche, die ausschließlich für Einarbeitung, Abstimmung und Gespräche reserviert sind.

Wo steckt deine Zeit?

selbst erledigenanderen ermöglichen kurzfristig

Feuerwehr

Dringende Aufgaben selbst lösen. In der Gründungsphase normal, sollte aber nicht zum Dauerzustand werden.

Entlasten

Fragen beantworten, Hindernisse aus dem Weg räumen, Entscheidungen zügig treffen.

langfristig

Eigenes Handwerk

Die Arbeit, für die dich Auftraggeber:innen schätzen. Bewusst schützen, damit du fachlich nicht den Anschluss verlierst.

Führen

Rollen klären, Feedback geben, Abläufe aufbauen, Menschen entwickeln. Wird oft verschoben und wirkt am stärksten.

Rollen und Erwartungen klären

  • Schreib für jede Rolle auf, wofür sie verantwortlich ist und woran gute Arbeit erkennbar wird.
  • Sag deutlich, welche Entscheidungen die Person allein trifft und wann sie dich fragen soll.
  • Vereinbare, wie ihr kommuniziert, wie schnell Antworten erwartet werden und wann Feierabend ist.
  • Überprüfe die Beschreibung nach drei Monaten gemeinsam und passe sie an die Wirklichkeit an.

Vorbild sein und Kultur prägen

Dein Team schaut genau darauf, was du tust. Wenn du um 23 Uhr Nachrichten verschickst, verstehen die anderen das als Erwartung, auch wenn du es anders meinst. Wenn du Fehler offen ansprichst, auch deine eigenen, entsteht ein Klima, in dem Probleme früh auf den Tisch kommen.

Überlege dir drei bis vier Grundsätze, wie ihr zusammenarbeiten wollt, etwa zum Umgang mit Fehlern, zur Qualität oder zur Zusammenarbeit mit Auftraggeber:innen. Sprich sie beim Onboarding an und erinnere in Entscheidungen daran. Mit der Zeit werden sie so zu einem selbstverständlichen Teil eurer Arbeit.

Verantwortung abgeben

Verantwortung abzugeben heißt, auszuhalten, dass Dinge anders gemacht werden als von dir. Solange das Ergebnis stimmt, darf der Weg dorthin ein eigener sein. Wie du Aufgaben Schritt für Schritt übergibst, erfährst du im Artikel zum Delegieren.

Hilfreich ist, Verantwortung an Ergebnisse zu knüpfen. Mit wachsender Erfahrung kannst du nach und nach ganze Bereiche übergeben, etwa die Projektorganisation oder die Pflege eures Social-Media-Kanals.

Quellen und Weiterlesen

  1. Handelskammer Hamburg – Beratung und Service
  2. INQA – Initiative Neue Qualität der Arbeit (BMAS)

Stand September 2026. Dieser Artikel gibt Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.