Das Wichtigste in Kürze
- Werte wirken erst, wenn sie an konkretem Verhalten und an Entscheidungen erkennbar sind.
- Feste Rituale wie Weekly, Retro und 1:1 geben kleinen Teams Halt und Orientierung.
- Eine einfache Gehaltsstruktur mit nachvollziehbaren Kriterien schützt dich vor Willkür und Streit.
- Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist in Deutschland noch nicht umgesetzt, bringt aber absehbar neue Pflichten.
Kultur ist die Summe dessen, was in deinem Unternehmen normal ist, also wie ihr miteinander sprecht, wie Fehler behandelt werden und wer was entscheidet. In einem Team aus zwei oder drei Menschen prägt das vor allem dein eigenes Verhalten. Neue Kolleg:innen schauen genau hin, was du tust, wenn ein Projekt unter Druck gerät.
Wie du Feedback gibst und neue Mitarbeitende einarbeitest, steht im Ressort Führung & Team. Hier geht es um den Rahmen, der daraus eine gemeinsame Kultur macht.
Werte, die man erkennt
Allgemeine Begriffe wie Qualität oder Offenheit helfen im Alltag wenig. Formuliere drei bis fünf Werte gemeinsam mit dem Team und schreib zu jedem auf, woran man ihn im Verhalten erkennt. Aus Offenheit wird dann etwa die Regel, dass Probleme im Projekt spätestens am nächsten Tag angesprochen werden.
Nutze die Werte bei Entscheidungen, bei Einstellungen und im Feedback. Wenn sie nur auf der Website stehen, glaubt ihnen im Team bald niemand mehr.
Rituale für kleine Teams
| Weekly | Retro | 1:1 | |
|---|---|---|---|
| Zweck | Überblick über Projekte, Termine und Engpässe der Woche | Gemeinsamer Rückblick, was gut lief und was ihr ändert | Persönliches Gespräch über Arbeit, Entwicklung und Belastung |
| Rhythmus | Wöchentlich, 30 bis 45 Minuten | Nach Projekten oder monatlich | Alle zwei bis vier Wochen |
| Wer | Ganzes Team | Projektteam oder ganzes Team | Du und eine Person |
| Ergebnis | Klare Prioritäten und Zuständigkeiten | Zwei bis drei konkrete Verbesserungen | Vereinbarte nächste Schritte, Themen der Person |
Beginne mit dem Weekly und den 1:1-Gesprächen. Retros kommen hinzu, sobald mehrere Menschen gemeinsam an Projekten arbeiten.
Entscheidungen und erste Führungsebene
Mit wachsendem Team fragen sich Mitarbeitende, wer was entscheiden darf. Schreib auf, welche Entscheidungen bei dir bleiben, welche das Team selbst trifft und welche ihr gemeinsam besprecht. Erkläre wichtige Entscheidungen kurz mit ihrem Grund, auch wenn nicht alle zustimmen.
Die erste Führungsebene entsteht oft ab fünf bis acht Menschen, wenn du nicht mehr mit allen regelmäßig sprechen kannst. Wer Projekte oder ein kleines Team leitet, braucht klare Befugnisse, Zeit für diese Aufgabe und Unterstützung beim Hineinwachsen in die neue Rolle.
Gehälter fair gestalten
Ohne Struktur entstehen Gehälter aus Verhandlungsgeschick und Zufall. Leg für jede Rolle eine Spanne fest und beschreibe, nach welchen Kriterien jemand innerhalb der Spanne eingeordnet wird, zum Beispiel Erfahrung, Verantwortung und Fachwissen. Diese Kriterien müssen für alle gleich gelten, unabhängig vom Geschlecht.
Das seit 2017 geltende Entgelttransparenzgesetz verbietet Entgeltbenachteiligung wegen des Geschlechts in jedem Unternehmen. Der individuelle Auskunftsanspruch gilt bisher in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (Richtlinie 2023/970) hätte bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden müssen. Deutschland hat diese Frist verpasst, das Umsetzungsgesetz ist im Verfahren.
Was die Richtlinie vorsieht (Stand September 2026)
| Umsetzungsfrist | 7. Juni 2026, in Deutschland verstrichen |
| Stand in Deutschland | Umsetzungsgesetz in Vorbereitung, bisher nicht in Kraft |
| Vor der Einstellung | Bewerber:innen erfahren das Einstiegsgehalt oder die Spanne |
| Im Bewerbungsgespräch | Die Frage nach dem bisherigen Gehalt wird eingeschränkt |
| Auskunftsrecht | Soll unabhängig von der Unternehmensgröße gelten |
| Berichtspflichten | Erst für Unternehmen ab 100 Beschäftigten |
Mitarbeitende halten
Kleine Agenturen können selten mit großen Gehältern locken. Sie punkten mit Nähe, Verantwortung und Gestaltungsspielraum. Sprich in den 1:1-Gesprächen regelmäßig über Entwicklung und Ziele, damit niemand das Gefühl bekommt, auf der Stelle zu treten. Faire, erklärbare Gehälter und verlässliche Arbeitszeiten tragen mehr zur Bindung bei als kurzfristige Extras.
Quellen und Weiterlesen
- BMBFSFJ – Entgelttransparenzgesetz
- Entgelttransparenzgesetz § 12
- Richtlinie (EU) 2023/970 zur Entgelttransparenz
- IHK München – Entgelttransparenz
Stand September 2026. Dieser Artikel gibt Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.







